28.01.2022
Stadtrat bringt ELER-Projekte auf den Weg

Initiative kam von den Freien Wählern

Der Stadtrat beschloß in der Sitzung am 27.01.2022, sich mit Projekten in  Penting und Kemnath für das ELER-Förderprogramm zu bewerben, da die üblichen Dorferneuerungsverfahren derzeit auf sich warten lassen.

Florian Meier, FWG-Stadtrat, hatte dazu mit einem Antrag den Anstoß gegeben. In der vorgenannten Sitzung trug insbesondere für Penting Folgendes vor:

"Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen des Stadtrates, sehr geehrter Herr Plöchinger,

mit großem Engagement ging im Herbst 2019 die Pentinger Dorfgemeinschaft in das Bürgerseminar für das geplante Dorferneuerungsverfahren, welches nach einem gescheiterten Versuch im Jahr 2001 wieder angestrebt wurde. Zahlreiche Vorschläge für die Weiterentwicklung des Dorfes wurden eingebracht. Mit Freude blickte man in die Zukunft. Die Einleitung des Dorferneuerungsverfahrens war für 2021 in Aussicht gestellt. Dann kam die Pandemie. Alle Aktivitäten kamen zum Erliegen. Weiter wurde seitens des Amtes für Ländliche Entwicklung angekündigt, das Dorferneuerungsverfahren erst im Jahr 2022 zu beginnen.

Letztes Jahr im Sommer teilte das Amt für Ländliche Entwicklung bei einem Termin in Kleinwinklarn dann mit, daß mit Beginn des Verfahrens nicht vor 2027, wahrscheinlich erst Jahre später, zu rechnen sei. Damit waren alle Hoffnungen für zeitnahe, für die Dorfentwicklung doch so wichtige Maßnahmen zerstört. Der Bürgerbeteiligungsprozeß drohte dauerhaft zum Erliegen zu kommen.

Seitens des ALE wurde ersatzweise empfohlen, das ELER-Förderprogramm in Anspruch zu nehmen. Daher stellte die Freie Wähler-Fraktion einen Antrag, sich mit Penting und drei zentralen Maßnahmenpaketen für ELER zu bewerben. Letztlich entschied der Stadtrat im Oktober vergangenen Jahres, zunächst nur, den mittlerweile im Besitz der Stadt befindlichen, sehr maroden und verwilderten Maibaumplatz als zentrale und bedeutende Fläche des Dorfes, gelegen unmittelbar neben dem Veranstaltungszentrum Pfarrheim, neu zu gestalten.

Innerhalb weniger Wochen entwickelte die Dorfgemeinschaft mit hervorragender Beratung und Planung durch Architekt Gerhard Plöchinger einen Plan für den Maibaumplatz, der heute zur Entscheidung vorliegt.

Mit den Inhalten des Plans ergaben sich jedoch nicht unerhebliche Kostensteigerungen gegenüber der ersten Kostenschätzung. Nicht zuletzt um die Chancen des Projektes für die Bewerbung um das ELER-Programm mit seinen Förderrichtlinien zu erhöhen bzw. sich Chancen überhaupt zu schaffen, aber auch um den Platz für das Dorf zukunftsträchtig und sinnvoll zu entwickeln, wurden multifunktionale und generationsübergreifende Elemente wie ein Geräteschuppen, ein Backofen und ein barrierefreier Zugang für das Pfarrheim aufgenommen. Eine Gestaltung allein als Parkplatz hätte kaum bis keine Förderchancen.

Nichts desto trotz wurde es kein luxuriöses Vorhaben. Es enthält nur das was notwendig ist:

  • überwiegend ordentlich befestigte Parkplätze, auch Behindertenparkplätze, mit barrierefreiem Zugang zum Pfarrheim
  • einen Backofen, der für die Dorfgemeinschaft unverzichtbar ist, weil zentrales Element zur Belebung des Platzes und des Vereins- und Dorflebens, auch in Anbetracht der Pandemie
  • einen Schuppen, der in erster Linie dem Gartenbau- und Ortsverschönerungsverein dient, der darin Geräte unterbringt, die hauptsächlich für die Pflege der öffentlichen, städtischen Plätze gebraucht werden – insofern wird hier etwas für die Stadt geschaffen – bislang sind die Geräte privat untergestellt
  • aufgrund nahegelegener Rad- und Wanderwege, teilweise Goldsteigzubringer eine Info-Tafel und eine eBike-Ladestation zur Förderung des Tourismus in der Stadt
  • das statisch abgenommene Maibaumfundament ersetzt das bisherige Graben eines Loches. Dadurch wird Sicherheit für die Vereinsverantwortlichen geschaffen.

Hier entsteht also etwas nicht zum reinen Dorfnutzen, sondern auch für die Stadt.

Penting, bisher die einzige Altgemeinde ohne eingeleitetes Dorferneuerungsverfahren, benötigt auf nicht absehbare Zeit kein Dorfgemeinschaftshaus oder andere größere Hochbauvorhaben. Auch in diesem Kontext muß dieses Projekt gesehen werden.

Die Pentinger sind sich jedoch auch bewußt, daß das Projekt für die Stadt kein unwesentlicher Haushaltsposten ist und die Umsetzung ohne Eigenleistung nicht möglich ist. Daher besteht, bei Bereitstellung des Materials, ggf. kostenpflichtig auszuleihender, da Ort nicht verfügbarer Maschinen und punktuell hinzuzuziehender Fachkräfte durch die Stadt Neunburg vorm Wald, insbesondere die Bereitschaft

  • die umfangreichen Pflaster-, Humus- und Baumpflanzarbeiten durchzuführen
  • die Scheune, mit Unterstützung eines Zimmerers zum Abbinden, selbst zu errichten; dazu soll das Bauholz kostengünstig über örtliche Waldbauern bezogen werden; auch die Dachdecker-, Elektro- und Spanglerarbeiten an der Scheune werden in Eigenleistung gemacht
  • den Backofen, ggf. mit Unterstützung eines zu beauftragenden Ofenbauers, selbst zu errichten

Die Erneuerung des Zauns zwischen Maibaumplatz und Pfarrheim wird durch die Kirchengemeinschaft übernommen.

Das Eigenleistung in Penting gut funktioniert, hat die Dorfgemeinschaft in den letzten Jahren mehrfach bewiesen:  zwei Spielplatzsanierungen sowie mehrere Baumaßnahmen am Feuerwehrhaus und am Bolzplatz wurden immer durch die Pentinger selbst erledigt.

Der Arbeitskreis Dorferneuerung hat außerdem von sich aus, in auf Anraten von 2. Bürgermeisterin Reichl und in Absprache mit Architekt Plöchinger vorab mehrere Kosteneinsparungen umgesetzt:

  • auf Vorschlag des Arbeitskreises wird ein deutlich günstigeres Maibaumfundament verwendet
  • bei den Parkplatzeinfassungen werden teilweise günstigere Steinarten verbaut
  • für Pkw-eLadesäulen werden nur noch Vorbereitungen getroffen – die sofortige Errichtung wurde gestrichen

Daher bitte ich nun die Mitglieder des Stadtrates um Zustimmung für das Projekt. Ein Scheitern würde bedeuten, daß der Bürgerbeteiligungs- und Dorferneuerungsprozeß auf lange Zeit zum Erliegen kommt. Es würde ein Schaden entstehen, der noch Jahrzehnte nachwirkt.

Das gleiche gilt auch für Kemnath. Auch hier bitte ich um Zustimmung.

Vielen Dank!"

Freie Wähler-Stadtrat Konrad Hoch nahm kurz zu den Projekten in Kemnath Stellung, unterstrich deren Bedeutung für das Dorf und lobte das Engagement der Bürger.